Mittwoch, 6. April 2016

Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion | Rezension


Fischer Verlag | Roman | 352 Seiten | € 9,99 (D)/€ 10,30 (A) | Leseprobe | Sternebewertung: 4,3 / 5

Inhalt:

 Don Tillmann hat genau zwei Freunde, ist Genetiker an der University in Melbourne und liebt Ordnung. Alles muss bis ins kleinste Detail geordnet sein, angefangen bei seinem wöchentlichen und unveränderlichen, Essensplan, bis hin zu den Arbeiten seiner Studenten. Diesen macht er das Leben mit seinem pingeligen und oft ungewollt komischen Verhalten nicht gerade einfach, ein Umstand der seine Dekanin regelmäßig zur Weißglut treibt. Don ist Asperger-Autist und hat vermutlich selber, obwohl er so clever ist, keinen blassen Schimmer davon, einmal gibt er sogar in einer Schule einen Vortrag über genau diese Form des Autismus und spricht ganz unverwandt von Symptomen die damit einhergehen.
Eines davon ist, mit sozialen Konventionen oder Erwartungen nicht viel bis gar nichts anfangen zu können. Der Kontakt mit Menschen wird dadurch erheblich erschwert, was dazu führen kann, dass Asperger-Autisten sich von der Gesellschaft abkapseln und alleine bleiben. So traurig es klingen mag, Don ist alleine. Und genau diesen Umstand will er ändern, indem er das "Projekt Ehefrau" ins Leben ruft.
 Es wird also ein Fragebogen entworfen, den er auf verschiedensten Dating-Seiten im Internet und bei Blind-Dates von möglichen Partnerinnen ausfüllen lässt, um diesen im Anschluß mit einem harten Ausschlussverfahren auszuwerten. Keine vielversprechende Partnersuche also, denn Dons Ansprüche sind für die meisten Anwerterinnen einfach zu hoch. Als eines Tages jedoch eine Frau namens Rosie in seinem Büro auftaucht und seine Welt von der ersten Sekunde an mit ihrem roten Haar und eigenwilligem Modestil etwas bunter macht, verblassen diese Ansprüche immer mehr...

Persönliches Fazit:

 Ich sag euch, es war ein wunderbares Leseerlebnis. Da ich ein riesen Fan von The Big Bang Theory bin, und somit auch von Sheldon Cooper, habe ich Don einfach nur geliebt, obwohl er mich auch zeitweise mit seiner skrupellosen Logik zur Verzweiflung getrieben hat. Dadurch zeigt diese Geschichte aber gut, wie schwer es für Menschen mit Asperger wirklich ist, soziale Konventionen einzuhalten und Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen. Da geht's gar nicht um das "Nicht-Wollen" sondern schlicht und einfach um das "Nicht-Verstehen", denn für Don ist es in der Geschichte des Buches auch unbegreiflich, dass es ungeheuerlich ist, einen toten Fisch mit in den Hörsaal zu nehmen, nur um einen seiner Studenten davon zu überzeugen, dass es Gott nicht geben kann. 
 Das Buch habe ich sehr gerne gelesen, auch wenn ich, wie schon erwähnt, zum Schluss hin schon immer darauf gehofft habe, dass der Groschen bei Don endlich fällt und das Eis doch noch bricht. Ob das aber dann der Fall ist, dass müsst ihr schon selber lesen ;)
 Es war eine Geschichte, voller lustiger und herzenserwärmender Szenen, welche sich abwechselten mit unbefriedigenden und sehr traurigen. Sozusagen, ein Werk über das Leben als solches und als Asperger-Autist.

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